Eine Reise beginnt

Seit 5 Tagen sind wir unterwegs und es wird Zeit, unsere ersten Eindrücke niederzuschreiben. Bevor wir unsere Reise nach Thailand starteten, wurden wir noch von unserer lieben Freundin M. in München empfangen. Dort gab es das absolute Verwöhnprogramm mit lecker Abendbrot und Brötchendienst am Morgen. Vielen Dank an dieser Stelle an M., die uns wieder einmal gelehrt hat, was Freundschaft bedeutet. Es war mit drei Kindern immer viel los und natürlich hatte auch jeder Wünsche an M. (besonders unsere Pferdeprinzessin), aber dennoch hatte sie stets ein offenes Ohr und verfügt über die Fähigkeit, sich mit ganzem Geist und Körper dem Kind zu widmen. Während des Umpackens lauschte ich in das Spiel hinein und mir wurde so warm ums Herz. Die Kinder holten Schmuck über Schmuck und behängten M., um sie schön zu machen. Während ich das aus dem Nebenzimmer beobachtete fühlte ich mich so aufgehoben und willkommen. Ein schönes Gefühl. 

 

Von München ging es dann für uns Kleinstädter schon ganz abenteuerlich mit Bus und Bahn zum Flughafen und von dort um 21:40 Uhr nach Thailand. Wir nutzten die Zeit zum Innehalten und es war so magisch zu sehen, wie sich alle drei gekümmert haben und alles in sich aufsogen. Wir waren lediglich Begleiter bei Fragen ansonsten Zuschauer von Kindergedanken- und Taten. Für uns als Eltern ist es so wichtig viel Zeit zusammen zu verbringen und die kindliche Logik zu verstehen und erleben zu dürfen. Die Kids drückten sich die Nasen an den Scheiben platt um die Flugzeuge zu sehen und zu rätseln, welches wohl das Schnellste auf der Welt ist. So einen Nachtflug können wir nur empfehlen, alle drei Kids sind zeitig eingeschlafen, unser Sonnenschein hat 10 Stunden auf meinem Schoß geschlafen, unser Herzbub und unsere Pferdeprinzessin hatten offensichtlich auch eine tolle Nacht im Flugzeug. Lediglich uns Eltern bekam der Nachtflug nicht so ganz, denn an Schlafen in senkrechter Position war nicht zu denken. Ohne Probleme sind wir nachmittags (Ortszeit) in Bangkok gelandet und mit einem Bus nochmals eine gute Stunde an den zweiten Flughafen von Bangkok gefahren. Die Kids waren schon wieder platt, so dass der Herzbub und die Pferdeprinzessin die Fahrt für ein Nickerchen nutzten während Sonnenschein im Bus turnte. Schon nach diesem ersten Tag spürten wir die Richtigkeit unseren „neuen“ Weges: sich rausnehmen, Vertrauen schenken und Prozesse annehmen. Unsere Herzenskinder wissen oft am Besten was sie brauchen und was ihnen gut tut.

 

Am Flughafen angekommen standen wir nun vor dem nächsten Abenteuer: Unser Hotel für eine Nacht wartete sehnsüchtig auf uns und lag lediglich 800 m vom Airport entfernt. Von der Kleinstadt aus betrachtet ein Kinderspiel zu laufen, in der Metropole nicht ganz so leicht. Also fragten wir uns durch und unsere Gegenüber schienen schon in Panik zu verfallen, so dass sich eine Dame bereit erklärte uns in ihrem privaten PKW unentgeltlich zum Hotel zu fahren. Da war es: So eine Begegnung mit einem fremden Menschen, einer Frau die handelte, einfach so, weil wir Fünfe dastanden mit unserem schweren Gepäck und zwar optimistisch aber auch schwitzend und etwas fertig aussahen. Es gibt sie eben doch, die guten Taten und Menschlichkeit. Wir hätten den Weg auch nie und nimmer gefunden geschweige denn mit der müden Bande und kiloweise Gepäck geschafft. Angekommen im Hotel und nach einer Dusche machten wir uns auf Abendbrotsuche denn mittlerweile war es dunkel und wir kauften uns schnell an der Strassenecke was. Dann sind wir hundemüde um 19 Uhr eingeschlafen um ....

 

Ja, um gegen 23:00 Uhr wieder putzmunter zu sein! Jedenfalls vier von uns. Jens war das egal, er schlief weiter, jedenfalls bis ich einen (wie ich fand) tollen Vorschlag brachte. Nämlich uns anzuziehen und einen Nachtspaziergang in Bangkok zu machen. Nun, er war nicht so begeistert. Die Kinder waren aber nicht mehr zum Schlafen zu bewegen und alles Reden, dass es mitten in der Nacht sei half nichts, sie waren wach. Während der Herzbub es schaffte gegen 2 Uhr nachts wieder einzuschlafen, sind wir Damen erst gegen 4 Uhr zur Ruhe gekommen – Jetlag lässt grüßen. Die Nacht war gegen 8 vorbei und der nächste anstrengende Anreisetag wartete. Ganz kurz: Zum Flughafen Bangkok nach Surat Thani von dort zwei Stunden mit dem Bus an die Küste und eine Stunde mit der Fähre nach Koh Samui. Da mir seit eh und je auf Schiffen schlecht wird musste ich hoch an Deck. Der Fahrer kannte nur eine Geschwindigkeit: Vollgas. Es windete, es schaukelte, es regnete – mir egal. Ich stand da und atmete die Luft ein und dachte nur: Freiheit. Ich war pitschenass aber egal, ich sah das Ziel. Bei Ankunft strömender Regen aber dennoch sehr warm (nur überall wird die Klimaanlage auf Nordpoltemperatur hochgeschraubt, was uns Nerven kostet). Am Abend hörte der Regen auf, wir gingen an den Strand essen und es war menschenleer. Die Kinder stürmten ins warme und ruhige Wasser. Alle drei waren total happy. Der Herzbub schrie „Freiheit, Freiheit, ich bin frei“, die Pferdeprinzessin und Sonnenschein jauchzen und quietschen vor Freude. Dann hieß es erst mal schlafen und zwar ganze 13 Stunden bis 10:30 Uhr vormittags. Der Regen war vorbei, 30 Grad und Sonnenschein warten auf uns, also ab ans Meer. Auf dem Weg dahin fand unsere Pferdeprinzessin mehrere Blumen, die sie pflückt und mir mit den Worten „Mama, mach mal die Augen zu. Jetzt auf! Die sind für dich“ gibt. Ich bin gerührt und erkenne ihre Liebe an. Sie liebt es mich mit Blumen zu überraschen. Sie pflückt Blumen, gießt sie, pflanzt sie, verschenkt sie – Blumen machen sie glücklich. Der Herzbub bringt der Pferdeprinzessin schwimmen bei, während Sonnenschein ebenfalls ihre Grenzen ausprobiert: Wie weit kann ich gehen um nicht mehr stehen zu können? Was passiert wenn ich noch einen Schritt weiter gehe? Sie ist so unerschrocken in neuen Erfahrungen und probiert sofort alles aus. Wir Eltern merken mal wieder wie wichtig unser Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder ist und das Lernen durch Erleben stattfindet, nicht in Zwangskontexten. Aber das ist ein anderes Thema. Wir lernen mal weiter: Vertrauen in unsere Fähigkeiten als Familie und die Selbstbestimmung eines jeden Familienmitglieds zu haben. In dem Sinne: lebt euer Leben nach euren Vorstellungen, ganz frei und selbstbestimmt.

         

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Hallo Koh Phangan 

Wir sitzen am Strand, er ist fast menschenleer. Das Meer ist warm, sehr warm und wir spielen mit unseren Kindern. Bei unserer Pferdeprinzessin gibt es heut Pflaumenklöße mit Zimt und Zucker.  Bis Sonnenschein kommt und sie mit den Füßen zerstampft. Doch der Ärger hält nicht lange an und im Nu wird aus den Resten und ein paar Algen Kartoffelbrei mit Spinat. Auch lecker. Unser Herzbub formt Zauberkugeln mit denen man die Welt und das ganze Universum mit allen Planeten beherrschen kann. Es entsteht noch eine große Sandburg für den Zauberer und seine Gehilfen. Wieder einmal haben wir viel Zeit um zu staunen und lernen. Wir staunen über soviel kindliche Phantasie und erinnern uns an unsere Spiele und Kindergedanken. Es ist ein Genuss in die kindliche Welt ohne Vorurteile einzutauchen und Teil sein zu dürfen. Der Herzbub würde als Weltherrscher den Weltfrieden schaffen und philosophiert über Politik, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Sie reden, tauchen, schwimmen, bauen und essen. Und wir hören zu, spielen und bauen mit, geben Antworten und machen uns Gedanken über die nächste Mahlzeit. Das ist zum Glück überhaupt kein Problem, denn es gibt überall reichlich zu Essen. An jeder Straßenecke stehen kleine Stände oder umgebaute Roller für die interessantesten Gerichte sowie Altbewährtes. Vegetarisches Essen und auch vegane Ernährung ist absolut kein Problem in Thailand, Reis und Nudeln in Hülle und Fülle angereichert mit frischem, knackigen Gemüse, dazu heimische Früchte aller Art, selbstgemachtes Eis jeder Geschmacksrichtung, frische Kokosnüsse und und und. Uns geht es wirklich gut. Und mit dem Gefühl, ob es denn wirklich noch schöner geht, verlassen wir Koh Samui nach 2 Unterkünften und leeren Traumstränden und machen uns auf den Weg nach Koh Phangan. Mit der Fähre und purem Sonnenschein gehts auf. Jens hat eine Unterkunft mitten im Dschungel und dennoch am Meer gelegen, gebucht, die wir nur auf zwei Wegen erreichen: 1. auf dem Seeweg oder aber 2. mit dem Auto durch den Dschungel. Wir wählten Zweiteres. Auf    Abenteuer eingestellt fahren wir los, mit einem erfahrenen Fahrer an unserer Seite. Es scheint so, als gäbe es nur eine Straße, die führt ziemlich steil und kurvenreich in die Berge um dann noch steiler abwärts zu fahren. Vor jeder Kurve wird gehupt, dass auch alle hinter der Kurve hören, wir sind auf dem Weg. Das grenzt schon an Achterbahn. Während der Fahrt erhaschen wir Blicke in kleine Hüttchen, auf sehr dünne Hühner (wie gut es da unsere haben) und natürlich auf den Dschungel. Die Insel scheint aus nichts außer Dschungel mit Hüttchen und drumrum Wasser zu bestehen als wir nun endgültig von der Straße abbogen. Jetzt gibt es keine Straße mehr, eher ein Schotterweg, einspurig. Der Weg führt mitten durch hohe Bäume und Kokosnusspalmen. Wir erwarteten jeden Moment das Schirkan (der Tiger aus Mogli) vor uns auftaucht, wirklich, wir waren mitten im Nichts. Keine Hütte mehr, keine Straße nur der Dschungel. Bergig blieb es dennoch und das Auto hatte zu kämpfen. Jens wurde ruhiger und fragte sich innerlich, ob das alles seine Richtigkeit hatte. Der Fahrer blieb hochkonzentriert bei seiner Route und unterdessen kam uns auch ein Mopedroller entgegen. Gut, hier gibt es Menschen. Jetzt gab es wieder Hütten (überall gibt es was zu kaufen, selbst mitten im Dschungel wo zu Fuß kein Mensch hin kommt). Plötzlich bleibt das Auto stehen. Vor uns taucht ein Bagger (!!!) auf und ich erwähne jetzt nicht nochmal wo wir uns befinden. Muss doch der Bagger tatsächlich für uns die „Straße“, die ja gar keine ist, platt machen und drüber wälzen, damit wir Touris an unser Ziel kommen. Irgendwie ist uns die Sache nicht geheuer aber dann taucht ein Schild auf „bottle beach 2 km“. „Okay, wir sind gleich da“ erklären wir unseren müden und unruhigen Kindern. Doch die zwei Kilometer legen wir nicht wie in Deutschland in einer Minute zurück. Im Dickicht von Koh Phangan dauerts eben gute 30 Minuten. Endlich sind wir da und laufen durch kleine, auf Stelzen gebaute Häuschen zur Rezeption. Der nette Thailänder führt uns in unser „Zimmer“ und wir sind baff. In den Beton vor dem Eingang sind kleine Muscheln und Steine zu einem Lächeln einbetoniert. Ein kleines Zimmerchen gefüllt mit zwei Doppelmatratzen in grün und rot gehalten, darüber ein Ventilator und ein Moskitonetz. Ein Minibad gibt es ebenfalls, dieses ist offen (also offene Fensterschlitze) und hat tausende Muscheln in den Beton gesteckt. Freunde, das hat was. Das Resort heißt passenderweise „Smile“ und so ist es auch. Die Minibungalows sind in die Felsen auf Stelzen gebaut und  vor der Tür gibt es eine kleine Veranda mit einer Hängematte. Die Hängematten kannten wir von Koh Samui nur vom Beach. Hier haben wir das Glück eine eigene zu haben. Einen Schrank gibt es nicht, da wir aber sowieso weiterreisen, leben wir aus dem Koffer. Von der Veranda haben wir einen Blick auf das Meer, also gehts gleich los. Und was soll ich sagen? Ja, es kann noch schöner werden. Diese Bucht, der „Bottle Beach“ ist so einsam gelegen. Traumhaft weißer, feiner Sand, ein paar Boote, kein Mensch am Strand (wo sind denn alle?) und unglaublich warmes Wasser. Umrandet ist die Bucht von Felsen und dem Dschungel, traumhaft schön. Da es heut grad so heiss ist, suchen wir uns einen Schattenplatz und wollen uns stärken. Ach, da sind alle! Halten sich alle in dem loungigen Restaurant auf. Chillige Lovemusik erklingt, sitzen können wir auf Kissen am Boden oder auf Stühlen und lassen wir es uns bei Kokosnussshakes gut gehen. Ja, so lässt es sich aushalten. Direkt um die Bar hängen gefühlte 100 Hängematten, eine wunderschöne Baumschaukel, eine Gitarre baumelt unter einem Dach und wir nennen es hier ab sofort das „Land der Faulen“. Hier an diesem Fleckchen der Erde dreht sich die Zeit langsamer. Das ist zwar eine ganz schöne Umstellung, jedenfalls für mich, aber wir können uns echt daran gewöhnen. Wenn Sonnenschein schlafen möchte, macht sie das entweder mit oder ohne mir in einer der vielen Hängematten oder in der Trage oder auf dem Arm. Der Herzbub genießt die Matten auch und die Pferdeprinzessin schaukelt den ganzen Abend. Ja, hier wollen wir jetzt grad nicht mehr weg.